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Ваймарский роман-6

Und dann kam Eduard Sergeewitsch und ließ mich in sein Büro bringen.

- Und, willst Du mir jetzt was erzählen? – Oh, nicht schon wieder! Ich hatte eigentlich gehofft, dass mir endlich glaubte und mich nach Hause ließ. Offensichtlich nicht. Und wenn seine Männer anfangen würden, mich „peinlich zu befragen“, würde ich ihnen alle erzählen, was ich nur weiss und noch viel mehr. Verdammt.

- Hören Sie, ich weiss nicht, was Sie von mir erwarten!

- Glaubst Du wirklich, dass ich so dämlich bin und den Zusammenhang nicht erkenne? – brüllte er plötzlich, sodass meine Knie nachgaben und ich in den Stuhl hinter mir plumpste.

- Wa… was ist denn los? – meine Stimme klang so klein und piepsig, aber das konnte ich auch nicht mehr kontrollieren.


- Wer hat Dich bezahlt?
- Ihr Sohn, Ilja. Er gab mir …
- Nein, wer aus meiner Firma hat Dich bezahlt?
Ich konnte ihn nur entgeistert anstarren. In welchem Film war ich denn jetzt?! Aber er wütete immer weiter, steigerte sich hinein, wurde rasend, so dass mir schleunigst etwas einfallen musste, bevor er mich abknallte oder schlimmeres.
- Lügendetektoren! – rief ich plötzlich und jetzt schauten mich die Männer so komisch an, bis ich kapierte, dass ich das auf Deutsch sagte. – Eduard Sergeewitsch, - fing ich in Russisch an. - Ich sage, dass ich nichts weiss und Sie glauben mir nicht und ich weiss nicht, wie ich Sie überzeugen kann. Ich habe keine Beweise! – ich zweifelte stark an seiner Geduld, also beeilte ich mich, den Gedanken loszuwerden und ihn möglichst dafür zu gewinnen. – Die Polizei in Filmen hat doch immer diese Apparate, die aufzeichnen können, wenn man lügt. – Natürlich fiel mir das russische Wort für „Lügendetektor“ in dem Moment nicht ein, war ja klar. – Wenn man mich an so ein Ding anschließt, werden Sie doch sehen, dass ich die Wahrheit sage! Bitte, ich möchte nach Hause!
- Gefällt es Dir hier nicht bei uns? – aus irgendeinem Grund beruhigte er sich. Ich konnte aber dem Frieden nicht wirklich trauen.
- Ich möchte nach Hause. – wiederholte ich müde.
- Was machst Du mit meinen Büchern? – fragte er plötzlich. Ich zuckte mit den Schultern:
- Ich katalogisiere sie. Lenkt mich ein wenig ab.
- Sieh zu, dass Du genug frische Luft bekommst.
- Wie oft soll ich das denn noch sagen: ich bin nicht schwanger! – er winkte nur ab.
- Ich weiss. – ich fühlte mich, als hätte mir einer eins über den Schädel gehauen.
- Woher wissen Sie das?
- Der Arzt hat Dich doch untersucht…
- Wann?!
- Als Du ohnmächtig warst. – ich schaute mich um und traf Andrejs Blick. – Achte darauf.
Das galt Andrej und er nickte nur, nahm wieder meinen Arm und führte mich nach draußen. Ich ließ es geschehen, doch als wir an der Zimmertür waren, riss ich mich los. Ich schätze, Andrej war einfach überrascht von mir, denn das Kunststück ist mir nie wieder gelungen.
- Wann lassen Sie mich gehen?
- Wenn ich sicher bin. – dann wurde ich schon hinausgeschoben und die Tür fiel zu. Ich war noch lange nicht fertig, aber Andrej hielt mich fest.
- Lass mich los! – fauchte ich ihn an, aber er ignorierte es wie immer, was mich noch wütender werden ließ.
Mittlerweile hatte ich mich an ihn gewöhnt, wie an einen Schatten. Er war zwar mind. 1,80m groß, bewegte sich aber immer sehr leise und überhaupt nicht schwerfällig. Die dunkel-blonden Haare immer sehr kurz geschnitten, hatte er ein bemerkenswert unauffälliges Gesicht. Zuerst eingeschüchtert durch seine Größe, verlor ich bald die Angst vor ihm. Ich fühlte mich sogar merkwürdig sicher, wenn er bei mir war. Er sprach wenig und wurde nie ausfallend, weder mit Worten noch mit seinem Verhalten. Selbst als ich ihm meine Faust in den Bauch rammte, drückte er nur meine Arme fest an den Körper und trug mich förmlich hinaus, immer weiter weg von dem Büro mit seinem Vorgesetzten. Ich wand mich und versuchte nach ihm zu treten, aber er war soviel stärker als ich.
- Las mich los! Ich will nicht, dass Du mich anfasst! Lass mich herunter! – er trug mich über die Terrasse in den Park, immer weiter unter den Bäumen.
- Wenn Du nicht aufhörst, werfe ich Dich in den Schnee.
Der klirrende Frost überzeugte mich. Ich fing an zu zittern: es waren bestimmt 15-20° unter Null.
- Mir ist kalt. – Er stellte mich auf den Boden und meine Füße, bekleidet nur mit dünnen Slippern, wurden sofort nass von dem ganzen Schnee.
- Ist jetzt wieder gut? Bleibst Du ruhig? – ich beschloss einfach nicht zu antworten und drehte mich um, aber er hielt mich fest. – Bleibst Du ruhig?
- Ich will nach Hause! – ich konnte nicht anders: meine Unterlippe fing an zu zittern und ich musste drauf beißen, um nicht laut loszuheulen.
- Du kommst nach Hause. Schon bald. – ich war nicht sicher, ob er das tatsächlich sagte oder ich mir das nur wünschte. Doch Andrej hob mich wieder hoch und brachte mich zurück ins Haus.
Mittlerweile war ich schon daran gewöhnt, dass er mich ständig, wie einen Gegenstand irgendwohin schleppte. Wollte ich nicht, oder bewegte ich mich auch nicht schnell genug für seinen Geschmack, zog er mich schon mit sich.
***
Am nächsten Tag brachte man mich zum Frühstücken in das Esszimmer, wo bereits Eduard Sergeewitsch saß. Vor lauter Aufregung kriegte ich nichts herunter, aber er sprach mich erst nach dem Essen an:
- Der Lügendetektor ist hier. Komm. – und ging aus dem Raum.
Wir kamen wieder in sein Büro, wo bereits ein Mann mit einem Gerät voller Drähte auf uns wartete. Er fummelte ständig daran herum und freute sich, uns zu sehen.
- Wunderbar, wunderbar! Hier bitte. Das ist also die Dame, die antworten soll. Das ist gut, das ist sehr gut.
Was daran gut sein sollte, konnte ich auf Anhieb nicht erkennen. Ich hatte nur die Hoffnung, dass es bald vorbei sein sollte. Ich war nun eine Woche in diesem Haus gefangen.
Ich setzte mich in einen der Sessel und der quirlige Mann, Doktor Sorow, klebte mir Drähte an die Stirn und die Handgelenke. Ich beruhigte mich plötzlich, meine Augen wurden schwer, und ich achtete gar nicht mehr auf die Menschen um mich herum.

Als wir dann fertig waren, wollte Andrej mich auf meine Zimmer bringen, aber ich bat ihn, in die Bibliothek zu gehen. Mein Bewacher befolgte stets meine Wünsche, solange sie nicht gegen seine Anweisungen sprachen, also machte ich mich wieder an die Arbeit. Das hatte wie immer geholfen, so dass ich gar nicht bemerkte wie Reshetnikoff-Senior ins Zimmer kam.
- Komm herunter. – Ich brauchte einen Moment, um aus der französischen Revolution zurück zu kehren und kletterte von der Leiter. – Dr. Sorow sagt, Du hast den Test bestanden.
- Also, kann ich gehen?
- Du bleibst noch. – Das Zimmer drehte sich vor meinen Augen und ich hielt mich an der Leiter fest.
- Aber …
- Es ist im Moment nicht sicher für Dich. Du sollst hier bleiben. Später bringe ich Dich nach Deutschland zurück.
- Was ist mit Ilja?
- Er ist im Gefängnis sicherer, als hier, also bleibt er auch, wo er ist.
- Wie lange?
- Du wirst es schon merken, wenn es so weit ist. Mach den Katalog, geh im Garten spazieren, betrachte es als Urlaub, Tochter.
Ich zuckte bei diesen Worten zusammen, aber er ging bereits aus dem Zimmer. Mein Blick wanderte ziellos durch den Raum, was die Aufmerksamkeit meines ständigen Begleiters auf sich zog:
- Hey, Du wirst Dich doch nicht übergeben, oder?
Ich setze mich auf die unterste Sprosse der Leiter und fing an zu heulen. Mein Nervensystem war mittlerweile völlig zerrüttet. Plötzlich wurde ich in die Luft gehoben und Andrej setzte sich auf das Sofa, mit mir auf dem Schoss.
- Ich will nach Hause. – jammerte ich in sein Hemd.
- Ich weiss.
Irgendwann merkte ich aber, dass seine Hände nicht mehr beruhigend meinen Rücken streichelten, sondern unter meiner Bluse wanderten. Ganz und gar unpassend. Ich riss mich los und sprang vom Sofa. Er machte keine Anstalten, sich zu erheben, aber ich blieb trotzdem misstrauisch und achtete darauf, nicht in seine Nähe zu kommen. Er kramte wieder eine Zeitschrift hervor und begann zu lesen. Ich kletterte wieder auf die Leiter, konnte mich aber nicht so recht konzentrieren.
Als er mich schließlich am Fuß berührte, erschrak ich und zuckte weg. Die Leiter drohte zu kippen und wenn Andrej mich nicht festgehalten hätte, wäre ich wohl gestürzt.
- Still! Ist ja gut! Ich tue Dir nichts. Es ist spät. Du musst essen und dann gehen wir spazieren. Du warst heute noch nicht draußen.
Ich hatte immer noch Probleme, meinen Atem unter Kontrolle zu bekommen und achtete nicht besonders darauf, was er sagte. Andrej setzte mich auf das Sofa und packte den Laptop auf einen der Tische.
- Ich habe keinen Hunger. – Aber in diesem Haus ignorierte man einfach diesen Satz. Später saß ich im Esszimmer und stocherte lustlos in meinem Teller herum.
- Wenn Du einen Hungerstreik anfängst, wird Andrej Dich füttern. – ich blickte überrascht auf, aber mein „Schwiegervater“ meinte es todernst.
- Ich habe nur keinen Appetit jetzt. – Ich habe erst jetzt bemerkt, dass der Blick dieses Mannes irgendwie weicher wurde. Schaute er mich tatsächlich mitfühlend an?
- Ich habe … berufliche Probleme. Es ist für Dich einfach sicherer, wenn Du hier bleibst. Später bringe ich Dich nach Hause und Ilja wird aus dem Gefängnis kommen.
- Ist meine Familie in Gefahr? – ich fing an zu stottern und musste zweimal den schrecklichen Gedanken aussprechen, bevor er mich verstanden hatte.
- Nein. Kaum einer weiß, dass Ilja überhaupt geheiratet hat. Und niemand hier weiß, wer Du bist. Also, gibt es keine Verbindung zwischen Deinen Verwandten und mir.
- Wie lange wird es dauern, bis Sie Ihre Probleme gelöst haben?
- Nicht lange. Erzähl mir etwas über meine Bücher. – wechselte er das Thema.
Mir blieb nichts anderes übrig, als ihm den Wunsch zu erfüllen. Er erzählte mir, dass er das Haus zusammen mit der Bibliothek gekauft hatte. Vermutlich trug ein Bücheragent die Bände zusammen, denn in den Büchern tauchten die verschiedensten Provenienzen auf. Ich bat Eduard Sergeewitsch auch um einen Internetzugang und er erlaubte ihn mir tatsächlich, aber nur unter Andrejs Aufsicht.
- Sprichst Du Englisch? – fragte er mich plötzlich. Ich nickte automatisch, in Gedanken immer noch mit den Internetmöglichkeiten beschäftigt. – Ich habe ein paar Unterlagen, die Du mir übersetzen sollst. – er stand auf und ging aus dem Zimmer, ohne sich umzublicken, sicher, dass ich ihm folge. Ich tat es auch, noch bevor Andrej auf mich zutrat.
In seinem Arbeitszimmer zeigte er mir eine dicke Mappe mit Geschäftsverträgen über Erdöl und Gas.
- Ich bin kein Jurist und meine kaufmännische Ausbildung liegt Jahre zurück. Sie brauchen einen Fachkundigen. Ich verstehe die Einzelheiten nicht. Sie ergeben für mich keinen Sinn. – sagte ich ihm nachdem ich die Papiere überflogen habe.
- Meine juristische Abteilung ist diejenige, die mir Probleme bereitet. Deshalb kann ich das niemandem zeigen. Entweder Du erklärst es oder keiner.
Diese Worte haben mich keineswegs beruhigt. Selbst mir war klar, dass ich mich da nicht einmischen sollte. Aber hatte ich eine Wahl?
- Ich brauche Zeit, um alles genau zu übersetzen. Und Wörterbücher, und Lexika … - Reshetnikoff-Senior nickte.
- Liste alles auf, was Du hier nicht findest. Schickt dann jemanden in den Buchladen, er soll alles kaufen. – der letzte Satz galt Andrej.
- Wir verlieren weniger Zeit, wenn ich selbst ins Geschäft fahre und alles besorge. – ich versuchte, meine Hoffnung zu verbergen und sprach betont gleichgültig.
- Gut. Mach das. Aber wen Du versuchst abzuhauen, sperre ich Dich ein und Andrej wird hingerichtet. Verstanden? Es liegt an Dir. – ich blickte die beiden erschrocken an, aber Andrej rührte sich überhaupt nicht und Reshetnikoff lächelte triumphierend. – Nun geh schon, Du wolltest doch keine Zeit verlieren.
- Mich gerade jetzt einzuschüchternd ist nicht gerade produktiv. Ich kann nicht gut denken, wenn man mich bedroht.
- Du schaffst das schon. – ich wollte noch etwas darauf erwidern, aber Andrej führte mich bereits zur Tür.
- Wie kannst Du ihm gehorchen, wenn er bereit ist, Dich zu töten?! – kaum waren wir in der Bibliothek, ging ich auf Andrej los. – Du bist doch nicht sein Sklave!
- Konzentriere Dich auf die Bücher. – war das einzige, was er zu mir sagte. – Die Geschäfte schließen in 2 Stunden und wir haben mind. 40 min Fahrt.
Ich versuchte, so gut es ging, eine Liste zusammen von den Werken zusammen zu stellen, die ich für die Übersetzung benötigen würde.
- Wörterbücher, englisch-russisch und vor allen Dingen, deutsch-russisch – murmelte ich auf Deutsch, während ich an den Regalen entlang ging. – Lexika, Wirtschaft, ich kenne doch die Begriffe in Russisch gar nicht und mind. eins für Recht, wenn nicht noch mehr.
- Was murmelst Du da? – Andrej kam näher, aber ich winkte nur ab und notierte hastig weiter.
- Die Datenbanken, ich kann einiges über das Internet herausfinden, wenn ich die einzelnen Begriffe habe. Das würde gehen. Wahrscheinlich werde ich auch ein paar Gesetzesbücher brauchen. Ach verdammt, ich bin doch kein Notar!
Schließlich war ich fertig und wir gingen hinaus zum Wagen. Andrej fuhr selbst und brachte mich in das Verlagshaus „Gerda“, mitten in der Stadt. Obwohl man in Moskau überall mitten in der Stadt ist. Er fand einen Parkplatz und wir gingen hinein. Der Verlag war auf wissenschaftliche Literatur spezialisiert und ich wir fanden sofort alles, was wir brauchten. Niemanden überraschten die Mengen, die wir kauften. Die Bücherstapel wurden eingepackt und ein Verkäufer trug uns die Taschen in den Wagen. Und dann saßen wir auch schon drin. Andrej gab mir nicht eine Gelegenheit zu fliehen, ständig hielt er mich umarmt oder bei der Hand, selbst, wenn wir auf dem Sofa saßen. Für alle anderen sahen wir wie ein Paar aus.
Mir wurde klar, dass sobald wir die Stadt wieder verlassen und der Jeep seine normale Geschwindigkeit erreicht, wir schnell wieder auf dem Anwesen sein werden, von wo es kein Entkommen gibt. Als der Wagen wieder einmal bei einer roten Ampel hielt, riss ich die Tür auf und sprang heraus. Mehrere Autos hupten, aber ich achtete nicht darauf und rannte auf den Bürgersteig zu.
Andrej lief hinter mir her. Ich sah es zwar nicht, konnte aber hören, wie meinen Namen rief. Plötzlich geschahen mehrere Dinge gleichzeitig: drei Motorräder brausten über den Bürgersteig auf mich zu und hatten in den Händen … Maschinengewehre. Ich bliebe stehen und einen Augenblick später stieß mich etwas in den Rücken. Ich fiel auf den Boden und hinter mir schien die Welt zu explodieren, Gegenstände flogen durch die brennende Luft, Glas splitterte und regnete auf mich herab, die Menschen kreischten, Autos hupten.
Ich wurde herum gerissen und sah Andrej über mir.
- Bist Du in Ordnung? Alles noch heil? – er tastete meinen Körper schnell ab und zog mich nach oben. – Komm, wir müssen weg hier. Sofort. Kannst Du laufen?

Tags: литературные страсти
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