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Ваймарский роман-7

Ich konnte. Ohne meinen Arm loszulassen, eilten wir die Strasse herunter. Niemand achtete auf uns, die Passanten schrien in Panik. Andrej blieb neben einem heruntergekommenen und wahnsinnig dreckigen Wagen stehen, riss an der Tür und setzte mich hinein. Ich war zu benommen, um wieder wegzulaufen und sah nur wie er um das Auto ging. Er fummelte mit den Händen unter dem Steuerrad und plötzlich sprang die alte Kiste an.



- Du hast sie also nicht entwischen lassen. Sehr gut.
Ich saß wieder im Büro meines Schwiegervaters, Andrej stand schweigend hinter mir. Wir waren gerade angekommen und wurden sofort in das Arbeitszimmer geführt. Dieses Mal erlaubte Andrej mir nicht zu fliehen – an jeder Ampel, bei jedem Halt oder wenn der Wagen nur langsamer gefahren ist, legte er seinen Arm um meine Schultern, so dass ich mich kaum rühren konnte.
- Wer war das? Iwanow? – ich verstand die Frage nicht, aber sie galt ja auch nicht mir.
- Sieht so aus. – Andrej zuckte mit den Schultern, ich konnte es in der Glastür des Schrankes sehen. – Sie rannte los, zwei Motorräder mit Maschinengewehren ihr entgegen. Sie haben den Wagen in die Luft gejagt.
- Sie lief ihnen entgegen, sagst Du? – Reshetnikoff lächelte und sah mich an. Ich konnte den Grund seiner Freude nicht erkennen, lächelte aber zaghaft. – Ein Lügendetektor kann erkennen, ob ich die Wahrheit sage! – brüllte er plötzlich und ich drückte mich in Panik, gegen den Stuhlrücken. Doch hinter mir war nur mein Bewacher. – Ich wäre beinahe reingefallen! Du bist gut, Miststück, wirklich gut!
Irgendetwas lief hier ganz und gar falsch, aber mein Hirn setzte aus und ich konnte den wütenden Mann nur aus weit aufgerissenen Augen anstarren.
- Du erzählst mir jetzt alles, was ich wissen will. Meine Geduld ist am Ende. – Von einem Augenblick zum nächsten hatte er sich beruhigt und das erschreckte mich noch mehr. Obwohl ich dachte, dass das überhaupt nicht mehr möglich war. – Fang an.
- Ich weiß nicht, was Sie … - weiter kam ich nicht. Ein Stoss von hinten und mein Gesicht prallte gegen die Tischkante. Tausenden von Sternen explodierten vor meinen Augen und ich heulte vor Schmerz auf. Den angewiderten Gesichtsausdruck meines Schweigervaters sah ich nicht mehr. Seine Stimme hallte in meinem Kopf, aber ich verstand die Worte damals nicht.
- Bring sie hier weg, Du machst ja alles schmutzig. Sie soll alles erzählen. Alles.

Ich wurde hochgerissen und weggeschleift. An das danach mag ich nicht erinnern. Ich wurde in das gleiche alte Auto gesetzt, mit dem wir herkamen und Andrej fuhr mit mir weg vom Anwesen. Ich sah nur noch kurz seine Faust vor meinen Augen und dann wachte ich wieder in einem kalten Raum ohne Fenster auf. Eine einzige Glühbirne baumelte von der Decke. Die Wände und der Boden waren aus Beton und die Möbel bestand aus einem einzigen Stuhl, auf dem Andrej saß.
Ich wusste nicht, das es so viele Varianten von Schmerz gibt. Und ich habe sie alle einzeln verspürt. Und wenn ich dachte, dass es nicht mehr schlimmer sein kann, traf Andrejs Faust oder Fuß irgendein Körperteil von mir und es wurde schlimmer. Irgendwann konnte ich nicht einmal mehr richtig stöhnen, aber ohnmächtig wurde ich nicht. Nein, ich blieb bei Bewusstsein. Viel später habe ich verstanden, dass das Absicht war. Alle paar Minuten hörte er auf zu schlagen und hob meinen Kopf an den Haaren.
- Rede. – Aber alles, was ich sagte, schien ihm nicht zu gefallen. Nach einer schrecklichen Ewigkeit fiel endlich die ersehnte Dunkelheit über mich und ich spürte nichts mehr.

Etwas später oder früher hörte ich dann Stimmen. Mal kamen sie näher, mal entfernten sie sich wieder, so dass ich den Sinn nicht verstehen konnte. Ich wollte sie nicht hören, wollte nicht wieder ins Bewusstsein zurück, denn hier ging es mir gut. Aber ich wurde wie immer nicht gefragt.


- Wohin jetzt?
- Zu mir. Hilf mir, aber vorsichtig.
- Willst Du sie etwa mitnehmen?
- Hast Du nicht gehört?! Sie wurde wegen mir so zugerichtet…

- Wie geht es ihr, Sergej?
- Nicht gut. Sie hat eine Gehirnerschütterung … Hematome … zwei Rippen gebr… Trauma … viel Blut verloren …

- Aleksej, Du hast mich schon verstanden. Selbst wenn sie hübsch gewesen ist, jetzt ist sie von Narben übersät. Wofür machst Du Dir die Mühe?
- Jetzt rede keinen Blödsinn! Jede hirnlose Schlampe hat künstliche Titten, aber ich bin nicht in der Lage dem Mädchen die Narben durch eine plastische Operation entfernen zu lassen?! - - Ich bringe das wieder in Ordnung und jetzt lass mich in Ruhe!

- Aleksej, ihr Zustand ist stabilisiert. Wenn Du plastische Korrektur willst, kann sie ab sofort erfolgen. Aber vielleicht sollten wir warten, bis die Patientin selbst aufwacht…
- Nein, ich möchte nicht, dass sie ihr Gesicht sieht … so wie es jetzt ist…
- Ja, ich verstehe. Wir brauchen Fotos, möglichst viele, um die vorher bestehende Form zu schaffen.
- Ich sorge dafür. Wie lange wird das dauern?
- Der Eingriff wird in mehreren Stufen durchgeführt. Die Operationen müssen hier durchgeführt werden. – Die Stimme gewann an Deutlichkeit, wurde fester, nachdrücklicher. – Der Heilungsprozess dauert mehrere Wochen. Diese Zeit kann sie tatsächlich zu Hause verbringen, aber auch davon würde ich abraten. Die Patientin wird immer noch sehr schwach sein, muss beaufsichtigt werden und sollte ruhig bleiben. Keinen Stress und keine Aufregung.
- Du wirst eine Krankenschwester empfehlen, die bei ihr bleibt. Nein, am besten mehrere, damit sie sich ablösen können. Ich will, dass diese Personen in meinem Haus wohnen. Sie soll nicht in einem Krankenhaus liegen, zwischen fremden Leuten.
- Ich veranlasse all...

- Vera, wach auf. Bitte…

- Vera, Du kannst aufwachen. Es wird Dir keiner mehr etwas tun…

- Du bist in Sicherheit. Komm zurück…

Ich wollte nicht zurück. Ich sollte nicht mehr wollen. Aber meine Neugier trieb mich doch ganz langsam zurück. Die Stimmen wurden immer lauter, eine Geräuschlawine rollte auf mich zu und ich fiel in die schneidend helle, scharfe, laute Welt.
Ich lag auf einem Bett, an meinen Armen wanden sich Kabel und Schläuche, etwas piepste monoton neben meinem Kopf und vor mir sah ich ein Frauengesicht. Sie hatte warme braune Augen und witzige Locken. Falten umrahmten den freundlichen Blick und das sanfte Lächeln.
- Mama. – sie sah gar nicht wie sie aus, war höchstens in ihrem Alter.
- Nana, ist ja alles gut. – die Frau wischte mir die Tränen von den Wangen. – Sie werden wieder gesund. Jetzt sind Sie wach, gleich kommt der Doktor und dann bringe ich Ihnen etwas zu essen. Alles kommt wieder in Ordnung.

Die Tür wurde aufgemacht und ein Mann betrat das Zimmer. Er war ziemlich jung, so um die 30 und sehr groß – musste sich beinahe bücken, um durch die Tür zu gehen.
- Sie sind wach, das ist gut. Können Sie mir antworten? Haben Sie Schmerzen beim Sprechen?
- Ein wenig. – gelang es mir zu krächzen. Er nickte.
- Das ist normal. Sie hatten mehrere Operationen und der Hals ist noch wund. Lidia Wassil’ewna, etwas Eis zum Lutschen. – er wandte sich an die Frau und dann wieder zu mir. Während er redete, waren seine Hände pausenlos beschäftigt: er fühlte meinen Puls, sah sich die Verbände an, drückte an meinem Körper irgendwelche Stellen, drehte vorsichtig meinen Kopf, als wäre ich ein Spielzeug, dessen Mechanismus er untersucht. Ich wurde dadurch ständig abgelenkt und konnte meine Gedanken nicht sammeln, die sowieso schon wie Flöhe durcheinander sprangen.
- Wo bin ich?
- Bei Aleksej Iwanow. – erwiderte er etwas überrascht. Der Name sagte mir gar nichts. – Er wird Ihnen später alles erklären. Wir wollten sie nicht im Krankenhaus lassen, hier ist es gemütlicher und schöner für Sie. Sie müssen sich ausruhen und dürfen sich auf gar keinen Fall aufregen. Lidia Wassil’ewna hilft Ihnen. Sie haben kein Fieber, die Wunden heilen. Zu essen erst einmal nur leichte Sachen, Lidia Wassil’ewna kennt den Speiseplan. Sagen Sie Bescheid, wenn die Schmerzen zu schlimm werden sollten. Ich komme Sie morgen besuchen.
Er stand auf, murmelte noch etwas zu der Frau und ging wieder.
- Sind Sie eine Krankenschwester? – sie sah nicht wie eine aus: keine Uniform, sondern eine schlichte schwarze Hose und eine Bluse, dazu Schmuck, Kosmetik und der schwache Duft von einem sehr bekannten Parfum, mir ist nur entfallen, welchen.
- Ja, bin ich. – Die Frau lächelte. – Ich bin bereits seit 27 Jahren eine Krankenschwester. Den meisten meiner Patienten gefällt es nicht, wenn ich die Uniform anziehe, dann werden sie wieder an ihre Krankheit erinnert.
- Ich finde es so auch schöner. – seufzte ich. – Wer ist dieser Aleksej Iwanow? – Mein Kopf dröhnte zwar, aber den Namen habe ich mir gemerkt.
- Soll ich ihn rufen? Er wartet vor der Tür und kann Ihnen sicher alles erklären. Aber Sie dürfen sich nicht aufregen. – Sie öffnete die Tür und noch ein Mann kam herein. Er war etwas kleiner als der Doktor, sah ihm ansonsten ziemlich ähnlich aus. Verwandte?

- Hallo, Veronika. – Er lächelte, aber das beruhigte mich nicht. Ich sah ihn weiterhin misstrauisch an.

Tags: литературные страсти
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